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Wie bekommen wir Leute?

Arbeitgebermarke aufbauen: Der 90-Tage-Plan mit einem Produktionstag

Eine Arbeitgebermarke entsteht nicht in einem Workshop und nicht in einem Film. Sie entsteht, wenn die richtigen Leute euch über Wochen immer wieder sehen – und das, was sie sehen, stimmt. Hier ist der Plan für ein Quartal: ein Vision-Briefing, ein Produktionstag, eine Serie, ein Ergebnisbericht.

  • Josua Gösmann · Geschäftsführer Farbraum Vision GmbH
  • Stand: Oktober 2026
  • 9 Min. Lesezeit
Inhaltsverzeichnis anzeigen
  1. 01Wie baut man eine Arbeitgebermarke auf? Die kurze Antwort
  2. 02Warum Glaubwürdigkeit das eigentliche Problem ist
  3. 03Der 90-Tage-Plan im Überblick
  4. 04Woche 1–2: Das Vision-Briefing
  5. 05Woche 3: Der Produktionstag
  6. 06Woche 4–12: Die Serie läuft
  7. 07Woche 13: Der Ergebnisbericht
  8. 08Was das am Markt kostet – und was nicht
  9. 09Die drei Fehler, die den Plan scheitern lassen
  10. 10Fazit

Kurz gesagt

  • 90 Tage reichen für einen ersten, messbaren Schritt – nicht für eine fertige Marke. Ein Quartal ist der Takt, in dem ihr lernt, was bei euren Leuten wirkt.
  • Der Plan: Woche 1–2 Vision-Briefing, Woche 3 Produktionstag, Woche 4–12 Serie nach Veröffentlichungsplan, Woche 13 Ergebnisbericht.
  • 80,9 % der Bewerbenden wollen Glaubwürdigkeit, nur 25,6 % erleben sie (Softgarden 2024). Deshalb echte Leute, echte Räume, kein Skript.
  • Gemessen wird in qualifizierten Bewerbungen, Bewerbungsquelle und Besetzungsdauer – nicht in Views. Views sind ein Frühindikator, kein Ergebnis.
  • Zum Vergleich kostet eine Social-Media-Serie am Markt 500–2.000 € pro Monat, ein Recruitingfilm 3.000–25.000 € (Fachpower, Weber Media 2026). Ein Produktionstag hat einen festen Tagespreis – die Zahl gibt es im Erstgespräch.

Wie baut man eine Arbeitgebermarke auf? Die kurze Antwort

Eine Arbeitgebermarke baut ihr auf, indem die Leute, die ihr braucht, euch regelmäßig sehen – und das Gesehene mit der Realität übereinstimmt. Alles andere (Logo auf der Karriereseite, Claim, Benefits-Liste) ist Verpackung. Die Marke ist das, was ein Bewerber nach drei Wochen Feed über euch denkt, bevor er jemals mit euch gesprochen hat.

Deshalb funktioniert der klassische Weg – Workshop, Positionierungspapier, ein Film, Ruhe – so selten: Er produziert ein Ereignis, keine Wiederholung. Der Plan unten dreht das um. Ihr startet mit einem Quartal, einem Produktionstag und einer Serie, und ihr messt am Ende, ob mehr passende Leute gekommen sind. Wenn ja, nächster Takt. Wenn nein, anderes Format.

Warum Glaubwürdigkeit das eigentliche Problem ist

Die Zahlen sind eindeutig: 80,9 % der Bewerbenden sagen, dass ihnen Glaubwürdigkeit beim künftigen Arbeitgeber wichtig ist. Nur 25,6 % erleben sie im Bewerbungsprozess uneingeschränkt (Softgarden, Befragung von 4.312 Bewerbenden, 2024). Und 42,9 % finden die Social-Media-Auftritte von Arbeitgebern „(eher) unglaubwürdig“.

Das heißt nicht, dass Social Media nicht funktioniert. Es heißt, dass die meisten Arbeitgeber dort etwas zeigen, das nach Werbung aussieht. Rund 78 % der Nutzer von Bewertungsportalen informieren sich dort über potenzielle Arbeitgeber (Trendence/kununu 2024) – die Leute prüfen also nach, ob das Bild stimmt. Eine Arbeitgebermarke, die mehr verspricht als der Betrieb hält, kostet deshalb doppelt: erst Reichweite, dann Frühfluktuation.

Der 90-Tage-Plan im Überblick

Ein Quartal Arbeitgebermarke: Wochen, Schritte, Ergebnisse
PhaseWochenWas passiertErgebnis
Vision-Briefing1–2Ziel, Zielgruppe, Format, Face-Anteil, Messpunkte festlegenPlan für den Produktionstag, Freigabe-Regeln
Produktionstag3Ein Tag bei euch im Betrieb, ein Format, Team + Face vor der Kamera8 bis 20 fertige Videos nach ca. 14 Tagen
Serie4–12Veröffentlichung nach Plan auf euren Kanälen, Karriereseite angebundenWiederholung, Wiedererkennung, erste Bewerbungen mit Quelle
Ergebnisbericht13Ein Blatt: Bewerbungen, Quelle, Reichweite bei der Zielgruppe, EmpfehlungEntscheidung für den nächsten Takt

Woche 1–2: Das Vision-Briefing

Das Vision-Briefing ist kein Workshop mit Post-its. Es ist ein Gespräch von etwa 90 Minuten mit Geschäftsführung und der Person, die bei euch Recruiting verantwortet. Am Ende stehen fünf Antworten:

  1. Wen braucht ihr zuerst? Nicht „Fachkräfte“, sondern: zwei Elektroniker für die Frühschicht, drei Azubis für September. Je konkreter, desto besser das Format.
  2. Was soll passieren? Bewerbungen, Anfragen, Bekanntheit oder Vertrauen – eines pro Produktionstag. Danach richtet sich die Kennzahl.
  3. Welches Format? Schichtwechsel für Bewerbungen, 30 Sekunden Klartext für Vertrauen, So läuft's wirklich für Anfragen, Die ehrliche Antwort für Einwände.
  4. Wie viel von euch im Bild? Team-Serie, Host-Modus, Mix oder Faces-Serie. Wer nicht vor die Kamera will, muss nicht.
  5. Wie messen wir? Bewerbungsformular mit der Frage „Wie bist du auf uns aufmerksam geworden?“, eigener Link pro Kanal, Ausgangswert der letzten drei Monate notieren.

Der Ausgangswert ist der Punkt, den fast alle überspringen. Ohne ihn wisst ihr in Woche 13 nicht, ob zwölf Bewerbungen gut oder schlecht sind. Schreibt auf: Wie viele Bewerbungen kamen in den letzten 90 Tagen, wie viele davon passten, wie lange dauerte die letzte Besetzung. Die BA weist für 2025 eine Median-Vakanzzeit von 78 Tagen über alle Berufe aus, in Pflegeberufen 85, in Bau- und Ausbauberufen 87 (BA-Arbeitsmarktmonitor 2025). Das ist eure Vergleichsgröße.

Woche 3: Der Produktionstag

Ein Tag bei euch im Betrieb. Das Farbraum-Team kommt mit Kamera, Plan und Format, das Face führt durch den Tag. Euer Einsatz: etwa drei Stunden verteilt über den Tag – ein paar Leute, die kurz aus der Arbeit kommen und wieder zurückgehen. Keine Probe, kein Text zum Auswendiglernen.

Daraus entstehen 8 bis 20 fertige Videos – lieber weniger, die wirken, als viele, die keiner anschaut. Wenn ihr zusätzlich einen Arbeitgeberfilm im Querformat für Karriereseite und Stellenanzeigen wollt, entsteht der am selben Tag mit. Beispiele dafür: Bäckerei Nabrotzky, Bauzentrum Westerhorstmann, Wir Kitas.

Nach etwa 14 Tagen bekommt ihr das Content-Paket mit einer Freigaberunde und dem Veröffentlichungsplan: welches Video wann auf welchem Kanal, welcher Clip mit welchem Link zur Karriereseite.

Woche 4–12: Die Serie läuft

Jetzt entsteht die Marke. Nicht am Produktionstag, sondern in den neun Wochen danach, in denen die gleichen Gesichter, das gleiche Format und der gleiche Ton immer wieder im Feed der richtigen Leute auftauchen. Ein bis zwei Videos pro Woche sind ein guter Takt für den Anfang; wichtiger als die Frequenz ist, dass sie gehalten wird.

  • Kanäle: Instagram und Facebook für die über 30, TikTok und Instagram für Azubis und die unter 30. 74 % der 30- bis 49-Jährigen nutzen Social Media mindestens wöchentlich, 53 % der 50- bis 69-Jährigen (ARD/ZDF-Medienstudie 2026).
  • Karriereseite: Jeder Clip führt auf eine mobil nutzbare Seite mit Aufgaben, Vergütung, Ansprechpartner und einer Bewerbung, die in unter einer Minute geht.
  • Bewertungsportale: Antwortet auf Bewertungen, individuell und konkret. 76,8 % der Portalnutzer begrüßen Arbeitgeberantworten (Trendence/kununu 2024).
  • Intern: Zeigt dem Team die Videos zuerst. Wer sich selbst sieht, teilt. Das ist der Anfang von Corporate Influencern, ohne dass ihr ein Programm dafür braucht.

Woche 13: Der Ergebnisbericht

Ein Blatt, drei Zahlen, eine Empfehlung. Keine 40-seitige Analyse. Der Ergebnisbericht vergleicht den Ausgangswert aus dem Vision-Briefing mit dem Quartal:

Messplan: Was zählt, was nur Frühindikator ist
KennzahlWas sie sagtWo sie herkommt
Qualifizierte Bewerbungen je StelleDas Ergebnis. Nicht Bewerbungen insgesamt, sondern die, die Muss-Kriterien erfüllenBewerbungsmanagement, Vorher-nachher je vergleichbarer Stelle
BewerbungsquelleOb die Serie die Bewerbungen ausgelöst hatFormularfrage + eigener Link pro Kanal
Besetzungsdauer (Time-to-fill)Ob es schneller geht als vorherVom Freigabedatum der Stelle bis zur Unterschrift
Reichweite bei Nicht-FollowernOb neue Leute euch sehenPlattform-Statistik, nur als Frühindikator
Frühfluktuation nach 90/180 TagenOb das gezeigte Bild stimmtHR, Kohorte der neuen Eintritte

Die Empfehlung am Ende ist immer eine von drei: Format weiterführen, weil es wirkt. Format wechseln, weil die Reichweite da war, aber keine Bewerbungen. Oder Ziel wechseln, weil sich die Priorität im Betrieb verschoben hat. Daraus wird der nächste Takt – meist ein Produktionstag pro Quartal, bei größerem Bedarf pro Monat.

Was das am Markt kostet – und was nicht

Zur Einordnung die veröffentlichten Markt-Richtwerte für Employer-Branding-Maßnahmen (Fachpower, Weber Media, Preisstand 2025/2026): Karriereseite 3.000–20.000 € einmalig, Recruitingvideo oder Imagefilm 3.000–25.000 €, Social-Media-Serie 500–2.000 € pro Monat für Erstellung und Betreuung, erweitertes Kununu-Profil 3.000–6.000 € pro Jahr. Eine ausführlichere Liste steht in Employer Branding Maßnahmen.

Gegenüber steht die Vakanz: Stepstone beziffert die Kosten einer unbesetzten Stelle modellhaft mit rund 49.500 € (Modellrechnung 2023), umgerechnet etwa 4.100 bis 10.900 € pro Monat je nach Rechenweg. Ein Quartal Arbeitgebermarke muss also nicht viel bewirken, um sich zu rechnen – es muss nur eine Besetzung ein paar Wochen früher bringen.

Die drei Fehler, die den Plan scheitern lassen

  • Ohne Ausgangswert starten. Dann ist jedes Ergebnis Interpretationssache. Drei Zahlen vor dem Start notieren, fertig.
  • Die Serie nach vier Wochen abbrechen. Die ersten Videos erreichen Leute, die euch schon kennen. Die neuen kommen ab Woche 5 bis 8. Wer vorher aufhört, misst das Falsche.
  • Mehr zeigen, als der Betrieb hält. Die Frühfluktuation sagt euch nach 90 Tagen, ob das Bild gestimmt hat. Lieber ehrlich über die Frühschicht als enttäuscht in der Probezeit.

Fazit

Eine Arbeitgebermarke ist kein Projekt mit Enddatum, sondern ein Takt. 90 Tage sind der erste Durchlauf: ein Vision-Briefing, ein Produktionstag, eine Serie, ein Ergebnisbericht. Danach wisst ihr, welches Format bei euren Leuten wirkt – und ob ihr das nächste Quartal genauso oder anders angeht. Wer wissen will, wie andere Betriebe aus OWL das gemacht haben, findet sieben Beispiele in Recruiting Video: 7 Beispiele aus dem Mittelstand.

Quellen

Marktpreise sind öffentlich ausgewiesene Anbieter-Richtwerte (netto, Preisstand 2025/2026), keine Farbraum-Preisliste. Studienwerte mit Erhebungsjahr.

  1. Softgarden: Glaubwürdigkeit von Arbeitgebern (2024) – 80,9 % wünschen Glaubwürdigkeit, 25,6 % erleben sie; 42,9 % finden Arbeitgeber-Social unglaubwürdig; 4.312 Bewerbende
  2. Trendence / kununu: Kritikfähige Arbeitgeber sind gefragt (2024) – 78 % informieren sich auf Bewertungsportalen; 76,8 % begrüßen Arbeitgeberantworten
  3. Bundesagentur für Arbeit: Fachkräfteengpassanalyse 2025 – Median-Vakanzzeit 78 Tage, Pflege 85, Bau 87
  4. ARD/ZDF-Medienstudie 2026 – Social Media wöchentlich: 74 % bei 30–49, 53 % bei 50–69
  5. Fachpower: Was kostet Employer Branding? (2025/2026) – Karriereseite 3.000–20.000 €, Recruitingfilm 3.000–25.000 €, Kununu 3.000–6.000 €/Jahr
  6. Weber Media: Employer Branding für den Mittelstand (2026) – Social-Media-Serie 500–2.000 €/Monat
  7. Stepstone: Cost of Vacancy – Modellrechnung ca. 49.500 € je unbesetzter Stelle (Basis 2023)
  8. bvik: Corporate Influencer in der Industrie (2024) – 48 von 75 Unternehmen mit Mitarbeiter-Markenbotschaftern
Über den AutorJosua Gösmann · Geschäftsführer Farbraum Vision GmbH

Josua führt Farbraum in Paderborn. Mit seinem Team produziert er an Produktionstagen Serien für Betriebe in OWL und NRW, die Azubis, Fachkräfte und Kunden brauchen – gemessen an Bewerbungen und Anfragen, nicht an Likes. Was hier steht, kommt aus echten Angeboten, echten Drehs und echten Fehlern.

So läuft ein Produktionstag ab

Häufige Fragen

Arbeitgebermarke: die Fragen aus dem Erstgespräch

Was Geschäftsführer und Personalverantwortliche aus OWL uns zum Aufbau einer Arbeitgebermarke am häufigsten fragen.

Wie lange dauert es, eine Arbeitgebermarke aufzubauen?

Einen ersten messbaren Effekt seht ihr in einem Quartal, wenn die Serie durchgehend läuft. Eine Marke, die trägt, entsteht über mehrere Takte – realistisch ein Jahr mit drei bis vier Produktionstagen. Wichtiger als die Dauer ist, dass ihr nach jedem Takt messt und anpasst.

Brauchen wir vorher eine Employer-Branding-Strategie?

Ihr braucht die fünf Antworten aus dem Vision-Briefing: wen, was, welches Format, wie viel von euch im Bild, wie messen. Ein 40-seitiges Strategiepapier hilft erst, wenn ihr mehrere Standorte oder Zielgruppen parallel bespielt. Für den ersten Takt ist es meist zu viel.

Was ist, wenn niemand aus dem Team vor die Kamera will?

Dann wählt ihr im Vision-Briefing die Faces-Serie: Zwei oder drei Faces aus unserem Pool spielen die Szenen bei euch vor Ort, ihr stellt nur den Ort und die Geschichten. Erfahrungsgemäß trauen sich nach dem ersten Tag mehr Leute, als vorher gesagt haben.

Woran merken wir, dass es funktioniert?

An drei Zahlen im Ergebnisbericht: qualifizierte Bewerbungen je Stelle im Vergleich zum Ausgangswert, Anteil der Bewerbungen mit Quelle Social Media oder Karriereseite, und Besetzungsdauer. Reichweite und Views sind Frühindikatoren, kein Ergebnis.

Was kostet der Aufbau einer Arbeitgebermarke?

Am Markt liegen Social-Media-Serien bei 500 bis 2.000 € pro Monat, Recruitingfilme bei 3.000 bis 25.000 €, Karriereseiten bei 3.000 bis 20.000 € (Fachpower, Weber Media 2026). Ein Produktionstag bei Farbraum hat einen festen Tagespreis, den wir im Erstgespräch nennen – ohne Retainer und ohne Laufzeit.

Erstgespräch

Euer erstes Quartalbeginnt mit 20 Minuten.

Im Erstgespräch klären wir, wen ihr braucht, welches Format als Erstes dran ist und was ein Produktionstag bei euch kostet. Ohne Pitch, ohne Folien.