Inhaltsverzeichnis anzeigen
- 01Womit fängt ein Betrieb auf Social Media an?
- 02Schritt 1: Das Ziel festlegen – eins, nicht drei
- 03Schritt 2: Das Profil in 30 Minuten einrichten
- 04Schritt 3: Das erste Video – und warum es keine Vorstellung ist
- 05Schritt 4: Ein Format, ein Takt
- 06Schritt 5: Die ersten 90 Tage
- 07Was ihr braucht – und was nicht
- 08Fünf Fehler, die fast jeder Betrieb beim Start macht
- 09Fazit
Kurz gesagt
- Erst das Ziel, dann der Kanal: Bewerbungen, Anfragen oder Bekanntheit? Jedes Ziel hat einen anderen besten Kanal – und ihr startet mit genau einem.
- Die Leute sind da: 61 % der Deutschen nutzen Social Media wöchentlich, bei den 30- bis 49-Jährigen 74 %, bei 50–69 noch 53 % (ARD/ZDF 2026). Die Frage ist nicht, ob eure Zielgruppe scrollt, sondern ob sie euch dabei sieht.
- Keine Hochglanz-Vorstellung zum Start. Das erste Video ist eine echte Szene aus dem Betrieb mit einem echten Menschen – nicht das Logo, nicht die Firmengeschichte.
- Ein Format, ein Takt: Lieber 12 Videos einer Serie in drei Monaten als 30 verschiedene Posts in drei Wochen.
- Der Engpass ist das Material. Wer intern niemanden zum Filmen hat, produziert gebündelt an einem Produktionstag und veröffentlicht über Wochen.
Womit fängt ein Betrieb auf Social Media an?
Mit einer Entscheidung, nicht mit einem Account: Wen wollt ihr erreichen, und was soll passieren, wenn diese Leute euch gesehen haben? Bewerbungen, Anfragen oder einfach, dass man euch in der Region kennt. Erst daraus ergeben sich Kanal, Format und Takt. Wer stattdessen mit „Wir brauchen jetzt auch Instagram“ startet, postet drei Wochen lang Fotos vom Firmenschild und hört dann auf.
Die gute Nachricht für Spätstarter: Die Leute sind längst da. Nach der ARD/ZDF-Medienstudie 2026 nutzen 61 % der Deutschen Social Media mindestens wöchentlich, bei den 30- bis 49-Jährigen sind es 74 %, bei den 50- bis 69-Jährigen noch 53 %. Die Fachkraft mit 15 Jahren Erfahrung, die ihr sucht, scrollt abends auf dem Sofa. Nur sieht sie euch dort nicht.
Schritt 1: Das Ziel festlegen – eins, nicht drei
| Ziel | Wer soll euch sehen | Startkanal | Erstes Format |
|---|---|---|---|
| Bewerbungen (Azubis) | 16–22 Jahre, in der Region | Instagram oder TikTok | Schichtwechsel: ein Tag aus Sicht eines Azubis |
| Bewerbungen (Fachkräfte) | 25–50 Jahre, oft im Job | Instagram, dazu Facebook | Die ehrliche Antwort: Gehalt, Schichten, Chef |
| Anfragen (Privatkunden) | Region, 30–65 Jahre | Instagram und Facebook | So läuft's wirklich: ein Auftrag von Anfang bis Ende |
| Anfragen (Geschäftskunden) | Einkäufer, Entscheider | LinkedIn, dazu Instagram | 30 Sekunden Klartext: Fachwissen in einer Frage |
| Bekanntheit | Alle in der Region | Instagram und Facebook | Mix aus allen Formaten, ein Face als Host |
Ein Ziel, ein Kanal, ein Format – für die ersten drei Monate. Der zweite Kanal kommt, wenn der erste läuft. Wer alles gleichzeitig will, bekommt überall ein bisschen und nirgends genug.
Schritt 2: Das Profil in 30 Minuten einrichten
- Name und Handle: Firmenname, ohne Zusätze wie „official“. Gleich auf allen Kanälen.
- Profilbild: Logo auf einfarbigem Grund, nicht das Firmengebäude.
- Bio: Ein Satz, was ihr macht, ein Satz, wo – und was Bewerber oder Kunden als Nächstes tun sollen. Link zur Karriereseite oder zur Anfrage.
- Unternehmensprofil aktivieren: Statistiken, Kontaktbutton, Standort.
- Keine leere Bühne: Erst drei bis fünf Videos vorproduzieren, dann das Profil öffentlich bespielen. Ein Profil mit einem Beitrag wirkt verlassener als gar keins.
Schritt 3: Das erste Video – und warum es keine Vorstellung ist
Der häufigste Fehler zum Start: ein Vorstellungsvideo. „Wir sind die Firma Müller, seit 1962 in Paderborn …“ Das will niemand sehen, der euch nicht kennt – und wer euch kennt, weiß es schon. Das erste Video ist eine Szene: der Meister, der um 6 Uhr die Halle aufschließt. Die Pflegekraft, die erklärt, warum sie die Frühschicht mag. Der Kunde-Einwand, den jeder kennt, ehrlich beantwortet.
Softgarden hat 2024 über 4.000 Bewerbende gefragt: 80,9 % wollen Glaubwürdigkeit vom Arbeitgeber, nur 25,6 % erleben sie – und 42,9 % halten Arbeitgeber-Social-Media für unglaubwürdig. Wer mit Hochglanz startet, bestätigt das Vorurteil. Wer mit einer echten Szene startet, widerlegt es.
Schritt 4: Ein Format, ein Takt
Einzelvideos verpuffen, Serien bleiben hängen. Statt jede Woche zu überlegen, was ihr posten könntet, legt ihr ein Format fest, das sich wiederholt – gleicher Aufbau, gleiche Frage, andere Person. Die vier Farbraum Formate sind genau dafür gebaut. Dazu ein Takt: zwei bis drei Veröffentlichungen pro Woche, die ihr über Monate haltet. Wie ihr den Takt findet, steht in Das perfekte Intervall für Social Media.
Schritt 5: Die ersten 90 Tage
- Woche 1–2: Ziel, Kanal, FormatEin Nachmittag mit Geschäftsführung und der Person, die posten wird. Wen braucht ihr, wo sind die, was sollen sie sehen? Bei uns heißt das Vision-Briefing.
- Woche 3: Material produzierenGebündelt an einem Tag – intern mit dem Handy oder als Produktionstag mit Team und Face. Ergebnis: 8 bis 20 Videos, die drei Monate tragen.
- Woche 4–12: Veröffentlichen nach PlanZwei bis drei Videos pro Woche, feste Tage, 20 Minuten Aufwand. Kommentare aus der Region beantworten, Rest ignorieren.
- Woche 13: Auswerten und entscheidenNicht Likes zählen, sondern: Kamen Bewerbungen oder Anfragen, die auf Social Media verweisen? Welches Video hielt die Leute am längsten? Daraus entsteht das Format für das nächste Quartal.
Was ihr braucht – und was nicht
| Braucht ihr | Braucht ihr nicht |
|---|---|
| Eine Person, die 20 Minuten pro Woche postet | Einen Social-Media-Manager in Vollzeit (44.000–50.000 € Vollkosten pro Jahr) |
| Ein Smartphone mit gutem Licht oder einen Produktionstag | Eine Kamera für 4.000 € |
| Drei bis fünf Mitarbeitende, die bereit sind, einen Satz zu sagen | Schauspieler, Skript, Studio |
| Ein festes Format und einen Veröffentlichungsplan | Einen Redaktionskalender mit 40 Themen |
| Eine Karriereseite oder Anfrage, die auf dem Handy funktioniert | Eine Landingpage pro Video |
Fünf Fehler, die fast jeder Betrieb beim Start macht
- Mit der Vorstellung anfangen. Logo, Gebäude, Firmengeschichte. Niemand bleibt.
- Alle Kanäle gleichzeitig. Facebook, Instagram, TikTok, LinkedIn, YouTube – und auf jedem dasselbe Bild.
- Den Azubi machen lassen. Er kennt die Plattform, aber nicht die Strategie. Und wenn er geht, ist der Kanal tot.
- Nach drei Wochen aufhören, weil „nichts passiert“. Bekanntheit braucht Wiederholung – ein Quartal ist das Minimum.
- Likes als Erfolg zählen. 300 Likes aus Hamburg bringen einem Betrieb in Bielefeld nichts. Die Bewerbung aus Herford schon.
Fazit
Auf Social Media zu starten ist für einen Betrieb keine Technikfrage, sondern eine Entscheidungsfrage: ein Ziel, ein Kanal, ein Format, ein Takt. Wer das festlegt und das Material gebündelt produziert, hält den Kanal auch nach drei Monaten noch am Leben – und sieht dann, was er bringt. Was eine Agentur dafür kostet und was ihr selbst machen könnt, steht in Social Media Betreuung Kosten.
Quellen
Nutzungs- und Bewerberzahlen aus öffentlichen Studien (Stand 2024–2026). Kosten sind Marktspannen, keine Farbraum-Preise.
- ARD/ZDF-Medienstudie 2026 – Social Media wöchentlich: 61 % gesamt, 74 % (30–49), 53 % (50–69); Instagram 40 %, Facebook 28 %, TikTok 18 %, LinkedIn 6 %
- Softgarden: Studien zu Glaubwürdigkeit von Arbeitgebern (2024) – 4.312 Bewerbende: 80,9 % wünschen Glaubwürdigkeit, 25,6 % erleben sie, 42,9 % finden Arbeitgeber-Social unglaubwürdig
- Metricool: Social Media Studie 2025 – Kurzvideos +71 %, Reichweite je Plattform
- Gehalt.de / StepStone: Social Media Manager Gehalt 2025 – Bruttogehalt 31.600–43.900 €, Vollkosten rund 44.000–50.000 €