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Kurzvideo & Social Media

Auf Social Media starten: Der Einstieg für Betriebe ohne Marketing-Team

Ihr habt 80 Mitarbeitende, drei offene Stellen und einen Instagram-Account, den der Azubi vor zwei Jahren angelegt hat. Hier steht, womit ihr anfangt, welchen Kanal ihr wählt, was in den ersten 90 Tagen passiert – und welche fünf Fehler fast jeder Betrieb beim Start macht.

  • Josua Gösmann · Geschäftsführer Farbraum Vision GmbH
  • Aktualisiert: Oktober 2026
  • 9 Min. Lesezeit
Inhaltsverzeichnis anzeigen
  1. 01Womit fängt ein Betrieb auf Social Media an?
  2. 02Schritt 1: Das Ziel festlegen – eins, nicht drei
  3. 03Schritt 2: Das Profil in 30 Minuten einrichten
  4. 04Schritt 3: Das erste Video – und warum es keine Vorstellung ist
  5. 05Schritt 4: Ein Format, ein Takt
  6. 06Schritt 5: Die ersten 90 Tage
  7. 07Was ihr braucht – und was nicht
  8. 08Fünf Fehler, die fast jeder Betrieb beim Start macht
  9. 09Fazit

Kurz gesagt

  • Erst das Ziel, dann der Kanal: Bewerbungen, Anfragen oder Bekanntheit? Jedes Ziel hat einen anderen besten Kanal – und ihr startet mit genau einem.
  • Die Leute sind da: 61 % der Deutschen nutzen Social Media wöchentlich, bei den 30- bis 49-Jährigen 74 %, bei 50–69 noch 53 % (ARD/ZDF 2026). Die Frage ist nicht, ob eure Zielgruppe scrollt, sondern ob sie euch dabei sieht.
  • Keine Hochglanz-Vorstellung zum Start. Das erste Video ist eine echte Szene aus dem Betrieb mit einem echten Menschen – nicht das Logo, nicht die Firmengeschichte.
  • Ein Format, ein Takt: Lieber 12 Videos einer Serie in drei Monaten als 30 verschiedene Posts in drei Wochen.
  • Der Engpass ist das Material. Wer intern niemanden zum Filmen hat, produziert gebündelt an einem Produktionstag und veröffentlicht über Wochen.

Womit fängt ein Betrieb auf Social Media an?

Mit einer Entscheidung, nicht mit einem Account: Wen wollt ihr erreichen, und was soll passieren, wenn diese Leute euch gesehen haben? Bewerbungen, Anfragen oder einfach, dass man euch in der Region kennt. Erst daraus ergeben sich Kanal, Format und Takt. Wer stattdessen mit „Wir brauchen jetzt auch Instagram“ startet, postet drei Wochen lang Fotos vom Firmenschild und hört dann auf.

Die gute Nachricht für Spätstarter: Die Leute sind längst da. Nach der ARD/ZDF-Medienstudie 2026 nutzen 61 % der Deutschen Social Media mindestens wöchentlich, bei den 30- bis 49-Jährigen sind es 74 %, bei den 50- bis 69-Jährigen noch 53 %. Die Fachkraft mit 15 Jahren Erfahrung, die ihr sucht, scrollt abends auf dem Sofa. Nur sieht sie euch dort nicht.

Schritt 1: Das Ziel festlegen – eins, nicht drei

Ziel, Zielgruppe und passender Startkanal
ZielWer soll euch sehenStartkanalErstes Format
Bewerbungen (Azubis)16–22 Jahre, in der RegionInstagram oder TikTokSchichtwechsel: ein Tag aus Sicht eines Azubis
Bewerbungen (Fachkräfte)25–50 Jahre, oft im JobInstagram, dazu FacebookDie ehrliche Antwort: Gehalt, Schichten, Chef
Anfragen (Privatkunden)Region, 30–65 JahreInstagram und FacebookSo läuft's wirklich: ein Auftrag von Anfang bis Ende
Anfragen (Geschäftskunden)Einkäufer, EntscheiderLinkedIn, dazu Instagram30 Sekunden Klartext: Fachwissen in einer Frage
BekanntheitAlle in der RegionInstagram und FacebookMix aus allen Formaten, ein Face als Host

Ein Ziel, ein Kanal, ein Format – für die ersten drei Monate. Der zweite Kanal kommt, wenn der erste läuft. Wer alles gleichzeitig will, bekommt überall ein bisschen und nirgends genug.

Schritt 2: Das Profil in 30 Minuten einrichten

  • Name und Handle: Firmenname, ohne Zusätze wie „official“. Gleich auf allen Kanälen.
  • Profilbild: Logo auf einfarbigem Grund, nicht das Firmengebäude.
  • Bio: Ein Satz, was ihr macht, ein Satz, wo – und was Bewerber oder Kunden als Nächstes tun sollen. Link zur Karriereseite oder zur Anfrage.
  • Unternehmensprofil aktivieren: Statistiken, Kontaktbutton, Standort.
  • Keine leere Bühne: Erst drei bis fünf Videos vorproduzieren, dann das Profil öffentlich bespielen. Ein Profil mit einem Beitrag wirkt verlassener als gar keins.

Schritt 3: Das erste Video – und warum es keine Vorstellung ist

Der häufigste Fehler zum Start: ein Vorstellungsvideo. „Wir sind die Firma Müller, seit 1962 in Paderborn …“ Das will niemand sehen, der euch nicht kennt – und wer euch kennt, weiß es schon. Das erste Video ist eine Szene: der Meister, der um 6 Uhr die Halle aufschließt. Die Pflegekraft, die erklärt, warum sie die Frühschicht mag. Der Kunde-Einwand, den jeder kennt, ehrlich beantwortet.

Softgarden hat 2024 über 4.000 Bewerbende gefragt: 80,9 % wollen Glaubwürdigkeit vom Arbeitgeber, nur 25,6 % erleben sie – und 42,9 % halten Arbeitgeber-Social-Media für unglaubwürdig. Wer mit Hochglanz startet, bestätigt das Vorurteil. Wer mit einer echten Szene startet, widerlegt es.

Schritt 4: Ein Format, ein Takt

Einzelvideos verpuffen, Serien bleiben hängen. Statt jede Woche zu überlegen, was ihr posten könntet, legt ihr ein Format fest, das sich wiederholt – gleicher Aufbau, gleiche Frage, andere Person. Die vier Farbraum Formate sind genau dafür gebaut. Dazu ein Takt: zwei bis drei Veröffentlichungen pro Woche, die ihr über Monate haltet. Wie ihr den Takt findet, steht in Das perfekte Intervall für Social Media.

Schritt 5: Die ersten 90 Tage

  1. Woche 1–2: Ziel, Kanal, FormatEin Nachmittag mit Geschäftsführung und der Person, die posten wird. Wen braucht ihr, wo sind die, was sollen sie sehen? Bei uns heißt das Vision-Briefing.
  2. Woche 3: Material produzierenGebündelt an einem Tag – intern mit dem Handy oder als Produktionstag mit Team und Face. Ergebnis: 8 bis 20 Videos, die drei Monate tragen.
  3. Woche 4–12: Veröffentlichen nach PlanZwei bis drei Videos pro Woche, feste Tage, 20 Minuten Aufwand. Kommentare aus der Region beantworten, Rest ignorieren.
  4. Woche 13: Auswerten und entscheidenNicht Likes zählen, sondern: Kamen Bewerbungen oder Anfragen, die auf Social Media verweisen? Welches Video hielt die Leute am längsten? Daraus entsteht das Format für das nächste Quartal.

Was ihr braucht – und was nicht

Ressourcen für den Start
Braucht ihrBraucht ihr nicht
Eine Person, die 20 Minuten pro Woche postetEinen Social-Media-Manager in Vollzeit (44.000–50.000 € Vollkosten pro Jahr)
Ein Smartphone mit gutem Licht oder einen ProduktionstagEine Kamera für 4.000 €
Drei bis fünf Mitarbeitende, die bereit sind, einen Satz zu sagenSchauspieler, Skript, Studio
Ein festes Format und einen VeröffentlichungsplanEinen Redaktionskalender mit 40 Themen
Eine Karriereseite oder Anfrage, die auf dem Handy funktioniertEine Landingpage pro Video

Fünf Fehler, die fast jeder Betrieb beim Start macht

  1. Mit der Vorstellung anfangen. Logo, Gebäude, Firmengeschichte. Niemand bleibt.
  2. Alle Kanäle gleichzeitig. Facebook, Instagram, TikTok, LinkedIn, YouTube – und auf jedem dasselbe Bild.
  3. Den Azubi machen lassen. Er kennt die Plattform, aber nicht die Strategie. Und wenn er geht, ist der Kanal tot.
  4. Nach drei Wochen aufhören, weil „nichts passiert“. Bekanntheit braucht Wiederholung – ein Quartal ist das Minimum.
  5. Likes als Erfolg zählen. 300 Likes aus Hamburg bringen einem Betrieb in Bielefeld nichts. Die Bewerbung aus Herford schon.

Fazit

Auf Social Media zu starten ist für einen Betrieb keine Technikfrage, sondern eine Entscheidungsfrage: ein Ziel, ein Kanal, ein Format, ein Takt. Wer das festlegt und das Material gebündelt produziert, hält den Kanal auch nach drei Monaten noch am Leben – und sieht dann, was er bringt. Was eine Agentur dafür kostet und was ihr selbst machen könnt, steht in Social Media Betreuung Kosten.

Quellen

Nutzungs- und Bewerberzahlen aus öffentlichen Studien (Stand 2024–2026). Kosten sind Marktspannen, keine Farbraum-Preise.

  1. ARD/ZDF-Medienstudie 2026 – Social Media wöchentlich: 61 % gesamt, 74 % (30–49), 53 % (50–69); Instagram 40 %, Facebook 28 %, TikTok 18 %, LinkedIn 6 %
  2. Softgarden: Studien zu Glaubwürdigkeit von Arbeitgebern (2024) – 4.312 Bewerbende: 80,9 % wünschen Glaubwürdigkeit, 25,6 % erleben sie, 42,9 % finden Arbeitgeber-Social unglaubwürdig
  3. Metricool: Social Media Studie 2025 – Kurzvideos +71 %, Reichweite je Plattform
  4. Gehalt.de / StepStone: Social Media Manager Gehalt 2025 – Bruttogehalt 31.600–43.900 €, Vollkosten rund 44.000–50.000 €
Über den AutorJosua Gösmann · Geschäftsführer Farbraum Vision GmbH

Josua führt Farbraum in Paderborn. Mit seinem Team produziert er an Produktionstagen Serien für Betriebe in OWL und NRW, die Azubis, Fachkräfte und Kunden brauchen – gemessen an Bewerbungen und Anfragen, nicht an Likes. Was hier steht, kommt aus echten Angeboten, echten Drehs und echten Fehlern.

So läuft ein Produktionstag ab

Häufige Fragen

Social-Media-Start: die Fragen aus dem Erstgespräch

Was Geschäftsführer fragen, die bisher ohne Social Media ausgekommen sind.

Welcher Kanal ist für einen Handwerksbetrieb der richtige?

Für Azubis Instagram oder TikTok, für Fachkräfte und Privatkunden Instagram plus Facebook, für Geschäftskunden LinkedIn. Startet mit einem Kanal – dem, auf dem die Leute sind, die ihr am dringendsten braucht.

Brauchen wir eine Agentur für den Start?

Nicht zwingend. Was ihr braucht, ist regelmäßig gutes Material und jemanden, der es postet. Wenn intern niemand filmen kann oder will, ist ein Produktionstag der schnellste Weg – ohne Monatsvertrag.

Wie lange dauert es, bis Social Media Bewerbungen bringt?

Erste Reaktionen in den ersten Wochen, belastbare Zahlen nach einem Quartal. Social Media schafft Bekanntheit und Vertrauen, die Bewerbung kommt dann meist über Karriereseite oder Google. Deshalb muss die Karriereseite auf dem Handy funktionieren.

Was, wenn unsere Mitarbeiter nicht vor die Kamera wollen?

Dann beginnt ihr mit denen, die wollen – meist zwei oder drei. Mit einem Face als Host, das die Fragen stellt, sinkt die Hürde deutlich. Und in der Faces-Serie muss niemand aus dem Betrieb ins Bild.

Sollen wir alte Beiträge löschen, bevor wir neu starten?

Nur, wenn sie der neuen Linie widersprechen. Alte Fotos vom Sommerfest schaden nicht. Wichtig ist, dass die neuesten Beiträge zeigen, wer ihr heute seid – die sieht ein Bewerber zuerst.

Erstgespräch

Der beste Zeitpunkt war vor zwei Jahren.Der zweitbeste ist jetzt.

20 Minuten Erstgespräch: Wen braucht ihr, welches Format passt, was kostet ein Produktionstag bei euch. Ohne Pitch, ohne Folien.