Zum Inhalt springen
Wie bekommen wir Leute?

Azubi Recruiting auf TikTok und Instagram: Was Betriebe in OWL wissen müssen

54.400 Ausbildungsplätze blieben 2025 unbesetzt. Gleichzeitig informieren sich 35 % der Jugendlichen auf Instagram und 27 % auf TikTok über Ausbildung – aber nur 5 % finden dort ihre Stelle. Was das für eure Azubi-Strategie heißt, Schritt für Schritt.

  • Josua Gösmann · Geschäftsführer Farbraum Vision GmbH
  • Stand: Oktober 2026
  • 9 Min. Lesezeit
Inhaltsverzeichnis anzeigen
  1. 01Funktioniert Azubi Recruiting auf TikTok und Instagram?
  2. 02Der Ausbildungsmarkt 2025 in Zahlen
  3. 03Wo Jugendliche suchen – und wo sie finden
  4. 04Was Jugendliche sehen wollen: Alltag, Gehalt, echte Azubis
  5. 05Eltern und Schule: die zweite Zielgruppe
  6. 06Der Plan: eine Serie pro Beruf, ein Weg zur Bewerbung
  7. 07Was die IHK-Kampagne #könnenlernen zeigt – und was nicht
  8. 08Fazit

Kurz gesagt

  • 54.400 betriebliche Ausbildungsstellen blieben 2025 unbesetzt (10,6 %), gleichzeitig suchten 84.400 Jugendliche noch einen Platz (BIBB 2025). Das Problem ist nicht Mangel, sondern Passung.
  • Jugendliche informieren sich auf Instagram (35 %), TikTok (27 %) und YouTube (36 %) – gefunden wird die Stelle über Suchmaschine (64 %), Kontakte (19 %) und Karriereseite (17 %). Nur 5 % nennen Social Media als Fundort.
  • 40 % wurden durch Familie und Freunde auf ihren Beruf aufmerksam. Eltern sind keine Randzielgruppe, sie entscheiden mit.
  • 53 % haben einen Beruf wegen zu geringer Vergütung ausgeschlossen. Wer das Gehalt versteckt, ist raus, bevor das Video zu Ende ist.
  • Was funktioniert: eine Serie pro Beruf mit echten Azubis, ein Host, der die Fragen stellt, und eine Karriereseite mit Vergütung, Ansprechpartner und Praktikumsangebot dahinter.

Funktioniert Azubi Recruiting auf TikTok und Instagram?

Ja – aber anders, als die meisten Betriebe es sich vorstellen. TikTok und Instagram entscheiden, ob Jugendliche euch und euren Beruf überhaupt auf dem Schirm haben. Die Bewerbung selbst kommt dann über Google, die Karriereseite oder ein Praktikum. Wer Social Media als Bewerbungskanal kauft, wird enttäuscht. Wer es als Schaufenster versteht, das in den Betrieb führt, gewinnt.

Die Zahlen dazu sind eindeutig und widersprüchlich zugleich – je nachdem, was man misst. Deshalb zuerst die Daten, dann die Strategie.

Der Ausbildungsmarkt 2025 in Zahlen

Ausbildungsmarkt Deutschland 2025 (BIBB, DIHK)
KennzahlWertWas es bedeutet
Unbesetzte Ausbildungsstellen54.400 (10,6 % des Angebots)Minus 21,6 % gegenüber 2024 – aber auch weniger Angebote und Verträge insgesamt
Jugendliche ohne Platz am 30.9.84.400 (+19,9 %)Unbesetzte Stellen und unversorgte Jugendliche nebeneinander: ein Passungsproblem
Vertragslösungsquote29,7 % (2024)Fast jeder dritte Vertrag wird vorzeitig gelöst – oft, weil die Erwartung nicht zur Realität passte
Betriebe, die nicht alle Plätze besetzen konnten48 % der IHK-AusbildungsbetriebeDIHK-Ausbildungsumfrage 2025
OWL: Ausbildungsbetriebe / unbesetzte Plätze4.065 Betriebe, 820 Stellen unbesetztIHK Ostwestfalen; Bielefeld 119 von 1.876, Paderborn 244 von 1.964

Die Vertragslösungsquote ist die Zahl, die am meisten übersehen wird. 29,7 % heißt: Ihr könnt den Platz besetzen und ihn im ersten Jahr wieder verlieren. Ehrliche Einblicke vor der Bewerbung sind deshalb kein Nice-to-have, sondern die günstigste Abbruchprävention, die es gibt.

Wo Jugendliche suchen – und wo sie finden

Hier liegt das Missverständnis. Die Studien messen unterschiedliche Dinge: Information über Berufe, Suche nach einer konkreten Stelle und Fundort der Stelle, die sie am Ende angetreten haben.

Kanäle im Azubi-Recruiting: Information vs. Suche vs. Fundort
KanalInformation über AusbildungKonkrete SucheFundort der Stelle
Suchmaschine / Google41 %64 %13 %
Instagram35 %–2,7 % (IHK) / 5 % Social gesamt (azubi.report)
TikTok27 %30 % der 14–25-J. (Bertelsmann/IW)2,0 % (IHK)
YouTube36 %47 % der 14–25-J. (Bertelsmann/IW)–
Familie, Freunde, Kontakte40 % wurden so auf den Beruf aufmerksam58 % holen sich Unterstützung bei Eltern19 %
Unternehmens-Karriereseite––17 %
Online-Ausbildungsportal––14 %
Praktikum, Betriebsbesuch40 % half bei der Vorstellung des Berufs–24,6 % (IHK)

Quellen: Azubi-Recruiting-Trends 2025 (5.482 Befragte), azubi.report 2025/26 (Ausbildung.de), IHK-Azubi-Umfrage 2025, Bertelsmann Stiftung/IW 2024 (1.729 Jugendliche). Die Prozentwerte sind wegen unterschiedlicher Stichproben nicht direkt vergleichbar – die Richtung ist trotzdem klar.

Was Jugendliche sehen wollen: Alltag, Gehalt, echte Azubis

Der azubi.report 2025/26 fragt, was bei der Berufsorientierung wirklich geholfen hat: persönliche Erzählungen von Familie und Freunden (41 %), Praktika und Probetage (40 %), Online-Berufsbeschreibungen (37 %). Instagram- und TikTok-Stories nennen 19 %, YouTube-Videos 16 %. Und von denen, die Social Media als hilfreich fanden, sagen 57 %, dass Unternehmen sie dabei am stärksten inspiriert haben – nicht Influencer, Unternehmen.

Was die Inhalte leisten müssen, ergibt sich aus den Entscheidungsgründen: 53 % haben einen Beruf wegen zu geringer Vergütung ausgeschlossen, 55 % wurden durch angemessene Bezahlung in der Arbeitgeberwahl bestärkt, 75 % wünschen sich einen sicheren Job. Dazu die Glaubwürdigkeitslücke, die Softgarden bei 4.312 Bewerbenden gemessen hat: 42,9 % finden Arbeitgeber-Social-Media (eher) unglaubwürdig.

  • Echte Azubis statt Imagefilm-Stimme: Der Azubi im zweiten Lehrjahr erzählt, was er am ersten Tag falsch eingeschätzt hat. Das glaubt man.
  • Gehalt, Arbeitszeiten, Berufsschule konkret: „Was verdiene ich im 1. Lehrjahr?“ ist das meistgeklickte Video – wenn ihr es dreht.
  • Der Alltag, nicht die Hochglanzhalle: „Ein Tag als …“ funktioniert, weil es die Frage beantwortet, die niemand im Vorstellungsgespräch stellt.
  • Ein Format, das wiederkommt: Einzelclips verpuffen. Eine Serie pro Beruf baut Wiedererkennung auf – genau das leisten die Farbraum Formate wie Schichtwechsel oder Die ehrliche Antwort.

Eltern und Schule: die zweite Zielgruppe

40 % der Azubis wurden durch Familie, Freunde oder Bekannte auf ihren Beruf aufmerksam, 58 % holten sich Unterstützung bei den Eltern, 19 % bei Schule und Lehrkräften. Eltern sind über 40, nutzen Social Media zu 74 % wöchentlich (ARD/ZDF 2026, 30–49 Jahre) – aber eher Facebook und Instagram als TikTok. Und sie stellen andere Fragen: Vergütung, Sicherheit, Übernahme, Betreuung.

Praktisch heißt das: Dieselbe Serie, die auf TikTok den Azubi zeigt, läuft auf Facebook und Instagram für die Eltern – ergänzt um ein Video, in dem der Ausbilder die Eltern-Fragen beantwortet. Beides entsteht am selben Produktionstag. Dazu eine Schulkooperation und ein Praktikumsangebot, das auf der Karriereseite mit einem Klick erreichbar ist.

Der Plan: eine Serie pro Beruf, ein Weg zur Bewerbung

  1. Berufe priorisierenNicht alle zehn Ausbildungsberufe auf einmal. Die zwei, die am schwersten zu besetzen sind, zuerst. Das klären wir im Vision-Briefing.
  2. Azubis und Ausbilder gewinnenFreiwillig, mit Einwilligung nach § 22 KUG und § 26 BDSG, getrennt nach Nutzung (Social, Karriereseite, Anzeigen). Ein Farbraum Face als Host nimmt den Kameradruck: Es stellt die Fragen, eure Azubis geben die Antworten.
  3. ProduktionstagEin Tag im Betrieb, 8 bis 20 Videos: „Ein Tag als …“, „Was ich vorher falsch eingeschätzt habe“, „Gehalt, Arbeitszeiten, Berufsschule – konkret“, das Eltern-Video mit dem Ausbilder. Lieber weniger, die sitzen, als zwanzig, die keiner anschaut.
  4. Karriereseite und BewerbungswegPro Beruf eine mobile Seite: Vergütung je Lehrjahr, Aufgaben, Ansprechpartner mit Foto, Praktikum buchen, Bewerbung in drei Feldern. Jedes Video verlinkt dorthin.
  5. Veröffentlichen und messenIm Takt über 10 bis 12 Wochen auf TikTok, Instagram, Facebook – die Bewerbungssaison im Blick. Im Formular: „Wie bist du auf uns aufmerksam geworden?“ Ergebnisbericht nach dem Takt: Bewerbungen, Praktika, Verträge.

Was die IHK-Kampagne #könnenlernen zeigt – und was nicht

Die IHKs lassen bei #könnenlernen neun echte Azubis auf TikTok über Ausbildungssuche und Berufsalltag berichten; Betriebe können Vorlagen, Motive und Challenges für eigene Kanäle nutzen. Das ist ein gutes Vorbild für die Tonalität: Azubis als Hosts, keine Werbesprache. Was die Kampagne nicht liefert: öffentlich belegte Bewerbungszahlen pro Betrieb. Einzelne virale Videos sind kein Erfolgsnachweis, solange Bewerbungsquelle und Verträge nicht mitgemessen werden.

Genau deshalb zählen wir im Ergebnisbericht nicht Views, sondern Praktikumsanfragen, Bewerbungen und unterschriebene Verträge. Views sind der Anfang, nicht das Ziel.

Fazit

Azubi Recruiting auf TikTok und Instagram funktioniert, wenn ihr es als Anfang einer Kette versteht: Video weckt Interesse, Google bestätigt, Eltern nicken, Praktikum überzeugt, Karriereseite schließt ab. Jede Lücke in der Kette kostet Bewerbungen. Eine Serie pro Beruf mit echten Azubis und ehrlichen Zahlen zum Gehalt ist der Teil, den wir übernehmen – die Karriereseite und den Praktikumsplatz müsst ihr mitbringen. Wie ihr das in einem Quartal aufsetzt: Arbeitgebermarke aufbauen: Der 90-Tage-Plan.

Quellen

Die Studien messen unterschiedliche Dinge (Information, Suche, Fundort) und sind nicht als gemeinsamer Funnel zu lesen. Alle Werte Stand 2024–2026.

  1. BIBB: Ausbildungsmarkt 2025 (Erhebung zum 30. September) – 54.400 unbesetzte Stellen (10,6 %), 84.400 unversorgte Jugendliche
  2. Berufsbildungsbericht 2026 – Vertragslösungsquote 29,7 % (2024)
  3. DIHK-Ausbildungsumfrage 2025 – 48 % der Betriebe konnten nicht alle Plätze besetzen
  4. Ausbildung.de: azubi.report 2025/26 – Fundort der Stelle, Rolle von Familie, Vergütung als Ausschlusskriterium (53 %), 57 % Unternehmen als Inspiration
  5. U-Form: Azubi-Recruiting-Trends 2025 – 5.482 Befragte: Suchmaschine 41/64 %, YouTube 36 %, Instagram 35 %, TikTok 27 %
  6. IHK-Azubi-Umfrage 2025 – Fundweg: 2,7 % Instagram, 2,0 % TikTok, 24,6 % Praktika/Betriebsbesuche
  7. Bertelsmann Stiftung / IW: Jugendliche und Ausbildungssuche (2024) – 1.729 Jugendliche 14–25: 30 % TikTok, 47 % YouTube, 38 % WhatsApp, 25 % Facebook
  8. Softgarden: Glaubwürdigkeit von Arbeitgebern 2024 – 42,9 % finden Arbeitgeber-Social-Media (eher) unglaubwürdig
  9. IHK Ostwestfalen zu Bielefeld: Ausbildungsbetriebe und offene Stellen – 4.065 Ausbildungsbetriebe, 820 unbesetzte Stellen; Bielefeld 119, Paderborn 244
  10. IHK: Kampagne #könnenlernen – Neun Azubis auf TikTok, Werbemittel für Betriebe
  11. ARD/ZDF-Medienstudie 2026 – 74 % der 30–49-Jährigen nutzen Social Media wöchentlich
Über den AutorJosua Gösmann · Geschäftsführer Farbraum Vision GmbH

Josua führt Farbraum in Paderborn. Mit seinem Team produziert er an Produktionstagen Serien für Betriebe in OWL und NRW, die Azubis, Fachkräfte und Kunden brauchen – gemessen an Bewerbungen und Anfragen, nicht an Likes. Was hier steht, kommt aus echten Angeboten, echten Drehs und echten Fehlern.

So läuft ein Produktionstag ab

Häufige Fragen

Azubi Recruiting: die Fragen aus dem Erstgespräch

Was Ausbilder und Geschäftsführer aus OWL uns fragen, bevor der erste Azubi vor die Kamera darf.

TikTok oder Instagram – was ist für Azubi Recruiting besser?

Beides, mit derselben Serie. TikTok erreicht 14- bis 20-Jährige in der Berufsorientierung, Instagram die etwas Älteren und die Eltern. Die IHK-Azubi-Umfrage 2025 nennt Instagram, TikTok und YouTube als meistgenutzte Kanäle der Befragten – Facebook spielt bei unter 25 kaum noch eine Rolle.

Unsere Azubis wollen nicht vor die Kamera. Was dann?

Freiwilligkeit ist Pflicht, nicht nur rechtlich. In der Praxis trauen sich zwei von fünf, wenn ein Host die Fragen stellt und niemand einen Text auswendig lernen muss. Wer nicht will, kommt nicht ins Bild – und die Serie funktioniert trotzdem, weil zwei echte Stimmen mehr wert sind als fünf gezwungene.

Muss ich das Ausbildungsgehalt wirklich nennen?

Ja. 53 % der Jugendlichen haben einen Beruf wegen zu geringer Vergütung ausgeschlossen – meist ohne zu wissen, was ihr zahlt. Wer es nennt, gewinnt die, für die es passt, und spart sich die Bewerbungen, bei denen es nie gepasst hätte.

Wann sollten wir mit Azubi-Videos anfangen?

Die Orientierung läuft ein Jahr vor Ausbildungsbeginn, Bewerbungen im Herbst und Winter. Ein Produktionstag im Spätsommer, Veröffentlichung von September bis Dezember, ein zweiter Takt im Frühjahr für Nachzügler und Praktika – das ist der Rhythmus, der zur Saison passt.

Wie messen wir, ob die Videos Azubis bringen?

Mit drei Zahlen: Praktikumsanfragen, Bewerbungen je Beruf und die Antwort auf „Wie bist du auf uns aufmerksam geworden?“ im Formular. Views und Follower sind Frühindikatoren. Der Ergebnisbericht nach jedem Takt rechnet in Verträgen, nicht in Reichweite.

Erstgespräch

Eure Azubis von morgenscrollen gerade an euch vorbei.

20 Minuten Erstgespräch: Welche Berufe, welche Azubis, welches Format – und was ein Produktionstag bei euch kostet. Ohne Pitch, ohne Folien.