Inhaltsverzeichnis anzeigen
- 01Funktioniert Azubi Recruiting auf TikTok und Instagram?
- 02Der Ausbildungsmarkt 2025 in Zahlen
- 03Wo Jugendliche suchen – und wo sie finden
- 04Was Jugendliche sehen wollen: Alltag, Gehalt, echte Azubis
- 05Eltern und Schule: die zweite Zielgruppe
- 06Der Plan: eine Serie pro Beruf, ein Weg zur Bewerbung
- 07Was die IHK-Kampagne #könnenlernen zeigt – und was nicht
- 08Fazit
Kurz gesagt
- 54.400 betriebliche Ausbildungsstellen blieben 2025 unbesetzt (10,6 %), gleichzeitig suchten 84.400 Jugendliche noch einen Platz (BIBB 2025). Das Problem ist nicht Mangel, sondern Passung.
- Jugendliche informieren sich auf Instagram (35 %), TikTok (27 %) und YouTube (36 %) – gefunden wird die Stelle über Suchmaschine (64 %), Kontakte (19 %) und Karriereseite (17 %). Nur 5 % nennen Social Media als Fundort.
- 40 % wurden durch Familie und Freunde auf ihren Beruf aufmerksam. Eltern sind keine Randzielgruppe, sie entscheiden mit.
- 53 % haben einen Beruf wegen zu geringer Vergütung ausgeschlossen. Wer das Gehalt versteckt, ist raus, bevor das Video zu Ende ist.
- Was funktioniert: eine Serie pro Beruf mit echten Azubis, ein Host, der die Fragen stellt, und eine Karriereseite mit Vergütung, Ansprechpartner und Praktikumsangebot dahinter.
Funktioniert Azubi Recruiting auf TikTok und Instagram?
Ja – aber anders, als die meisten Betriebe es sich vorstellen. TikTok und Instagram entscheiden, ob Jugendliche euch und euren Beruf überhaupt auf dem Schirm haben. Die Bewerbung selbst kommt dann über Google, die Karriereseite oder ein Praktikum. Wer Social Media als Bewerbungskanal kauft, wird enttäuscht. Wer es als Schaufenster versteht, das in den Betrieb führt, gewinnt.
Die Zahlen dazu sind eindeutig und widersprüchlich zugleich – je nachdem, was man misst. Deshalb zuerst die Daten, dann die Strategie.
Der Ausbildungsmarkt 2025 in Zahlen
| Kennzahl | Wert | Was es bedeutet |
|---|---|---|
| Unbesetzte Ausbildungsstellen | 54.400 (10,6 % des Angebots) | Minus 21,6 % gegenüber 2024 – aber auch weniger Angebote und Verträge insgesamt |
| Jugendliche ohne Platz am 30.9. | 84.400 (+19,9 %) | Unbesetzte Stellen und unversorgte Jugendliche nebeneinander: ein Passungsproblem |
| Vertragslösungsquote | 29,7 % (2024) | Fast jeder dritte Vertrag wird vorzeitig gelöst – oft, weil die Erwartung nicht zur Realität passte |
| Betriebe, die nicht alle Plätze besetzen konnten | 48 % der IHK-Ausbildungsbetriebe | DIHK-Ausbildungsumfrage 2025 |
| OWL: Ausbildungsbetriebe / unbesetzte Plätze | 4.065 Betriebe, 820 Stellen unbesetzt | IHK Ostwestfalen; Bielefeld 119 von 1.876, Paderborn 244 von 1.964 |
Die Vertragslösungsquote ist die Zahl, die am meisten übersehen wird. 29,7 % heißt: Ihr könnt den Platz besetzen und ihn im ersten Jahr wieder verlieren. Ehrliche Einblicke vor der Bewerbung sind deshalb kein Nice-to-have, sondern die günstigste Abbruchprävention, die es gibt.
Wo Jugendliche suchen – und wo sie finden
Hier liegt das Missverständnis. Die Studien messen unterschiedliche Dinge: Information über Berufe, Suche nach einer konkreten Stelle und Fundort der Stelle, die sie am Ende angetreten haben.
| Kanal | Information über Ausbildung | Konkrete Suche | Fundort der Stelle |
|---|---|---|---|
| Suchmaschine / Google | 41 % | 64 % | 13 % |
| 35 % | – | 2,7 % (IHK) / 5 % Social gesamt (azubi.report) | |
| TikTok | 27 % | 30 % der 14–25-J. (Bertelsmann/IW) | 2,0 % (IHK) |
| YouTube | 36 % | 47 % der 14–25-J. (Bertelsmann/IW) | – |
| Familie, Freunde, Kontakte | 40 % wurden so auf den Beruf aufmerksam | 58 % holen sich Unterstützung bei Eltern | 19 % |
| Unternehmens-Karriereseite | – | – | 17 % |
| Online-Ausbildungsportal | – | – | 14 % |
| Praktikum, Betriebsbesuch | 40 % half bei der Vorstellung des Berufs | – | 24,6 % (IHK) |
Quellen: Azubi-Recruiting-Trends 2025 (5.482 Befragte), azubi.report 2025/26 (Ausbildung.de), IHK-Azubi-Umfrage 2025, Bertelsmann Stiftung/IW 2024 (1.729 Jugendliche). Die Prozentwerte sind wegen unterschiedlicher Stichproben nicht direkt vergleichbar – die Richtung ist trotzdem klar.
Was Jugendliche sehen wollen: Alltag, Gehalt, echte Azubis
Der azubi.report 2025/26 fragt, was bei der Berufsorientierung wirklich geholfen hat: persönliche Erzählungen von Familie und Freunden (41 %), Praktika und Probetage (40 %), Online-Berufsbeschreibungen (37 %). Instagram- und TikTok-Stories nennen 19 %, YouTube-Videos 16 %. Und von denen, die Social Media als hilfreich fanden, sagen 57 %, dass Unternehmen sie dabei am stärksten inspiriert haben – nicht Influencer, Unternehmen.
Was die Inhalte leisten müssen, ergibt sich aus den Entscheidungsgründen: 53 % haben einen Beruf wegen zu geringer Vergütung ausgeschlossen, 55 % wurden durch angemessene Bezahlung in der Arbeitgeberwahl bestärkt, 75 % wünschen sich einen sicheren Job. Dazu die Glaubwürdigkeitslücke, die Softgarden bei 4.312 Bewerbenden gemessen hat: 42,9 % finden Arbeitgeber-Social-Media (eher) unglaubwürdig.
- Echte Azubis statt Imagefilm-Stimme: Der Azubi im zweiten Lehrjahr erzählt, was er am ersten Tag falsch eingeschätzt hat. Das glaubt man.
- Gehalt, Arbeitszeiten, Berufsschule konkret: „Was verdiene ich im 1. Lehrjahr?“ ist das meistgeklickte Video – wenn ihr es dreht.
- Der Alltag, nicht die Hochglanzhalle: „Ein Tag als …“ funktioniert, weil es die Frage beantwortet, die niemand im Vorstellungsgespräch stellt.
- Ein Format, das wiederkommt: Einzelclips verpuffen. Eine Serie pro Beruf baut Wiedererkennung auf – genau das leisten die Farbraum Formate wie Schichtwechsel oder Die ehrliche Antwort.
Eltern und Schule: die zweite Zielgruppe
40 % der Azubis wurden durch Familie, Freunde oder Bekannte auf ihren Beruf aufmerksam, 58 % holten sich Unterstützung bei den Eltern, 19 % bei Schule und Lehrkräften. Eltern sind über 40, nutzen Social Media zu 74 % wöchentlich (ARD/ZDF 2026, 30–49 Jahre) – aber eher Facebook und Instagram als TikTok. Und sie stellen andere Fragen: Vergütung, Sicherheit, Übernahme, Betreuung.
Praktisch heißt das: Dieselbe Serie, die auf TikTok den Azubi zeigt, läuft auf Facebook und Instagram für die Eltern – ergänzt um ein Video, in dem der Ausbilder die Eltern-Fragen beantwortet. Beides entsteht am selben Produktionstag. Dazu eine Schulkooperation und ein Praktikumsangebot, das auf der Karriereseite mit einem Klick erreichbar ist.
Der Plan: eine Serie pro Beruf, ein Weg zur Bewerbung
- Berufe priorisierenNicht alle zehn Ausbildungsberufe auf einmal. Die zwei, die am schwersten zu besetzen sind, zuerst. Das klären wir im Vision-Briefing.
- Azubis und Ausbilder gewinnenFreiwillig, mit Einwilligung nach § 22 KUG und § 26 BDSG, getrennt nach Nutzung (Social, Karriereseite, Anzeigen). Ein Farbraum Face als Host nimmt den Kameradruck: Es stellt die Fragen, eure Azubis geben die Antworten.
- ProduktionstagEin Tag im Betrieb, 8 bis 20 Videos: „Ein Tag als …“, „Was ich vorher falsch eingeschätzt habe“, „Gehalt, Arbeitszeiten, Berufsschule – konkret“, das Eltern-Video mit dem Ausbilder. Lieber weniger, die sitzen, als zwanzig, die keiner anschaut.
- Karriereseite und BewerbungswegPro Beruf eine mobile Seite: Vergütung je Lehrjahr, Aufgaben, Ansprechpartner mit Foto, Praktikum buchen, Bewerbung in drei Feldern. Jedes Video verlinkt dorthin.
- Veröffentlichen und messenIm Takt über 10 bis 12 Wochen auf TikTok, Instagram, Facebook – die Bewerbungssaison im Blick. Im Formular: „Wie bist du auf uns aufmerksam geworden?“ Ergebnisbericht nach dem Takt: Bewerbungen, Praktika, Verträge.
Was die IHK-Kampagne #könnenlernen zeigt – und was nicht
Die IHKs lassen bei #könnenlernen neun echte Azubis auf TikTok über Ausbildungssuche und Berufsalltag berichten; Betriebe können Vorlagen, Motive und Challenges für eigene Kanäle nutzen. Das ist ein gutes Vorbild für die Tonalität: Azubis als Hosts, keine Werbesprache. Was die Kampagne nicht liefert: öffentlich belegte Bewerbungszahlen pro Betrieb. Einzelne virale Videos sind kein Erfolgsnachweis, solange Bewerbungsquelle und Verträge nicht mitgemessen werden.
Genau deshalb zählen wir im Ergebnisbericht nicht Views, sondern Praktikumsanfragen, Bewerbungen und unterschriebene Verträge. Views sind der Anfang, nicht das Ziel.
Fazit
Azubi Recruiting auf TikTok und Instagram funktioniert, wenn ihr es als Anfang einer Kette versteht: Video weckt Interesse, Google bestätigt, Eltern nicken, Praktikum überzeugt, Karriereseite schließt ab. Jede Lücke in der Kette kostet Bewerbungen. Eine Serie pro Beruf mit echten Azubis und ehrlichen Zahlen zum Gehalt ist der Teil, den wir übernehmen – die Karriereseite und den Praktikumsplatz müsst ihr mitbringen. Wie ihr das in einem Quartal aufsetzt: Arbeitgebermarke aufbauen: Der 90-Tage-Plan.
Quellen
Die Studien messen unterschiedliche Dinge (Information, Suche, Fundort) und sind nicht als gemeinsamer Funnel zu lesen. Alle Werte Stand 2024–2026.
- BIBB: Ausbildungsmarkt 2025 (Erhebung zum 30. September) – 54.400 unbesetzte Stellen (10,6 %), 84.400 unversorgte Jugendliche
- Berufsbildungsbericht 2026 – Vertragslösungsquote 29,7 % (2024)
- DIHK-Ausbildungsumfrage 2025 – 48 % der Betriebe konnten nicht alle Plätze besetzen
- Ausbildung.de: azubi.report 2025/26 – Fundort der Stelle, Rolle von Familie, Vergütung als Ausschlusskriterium (53 %), 57 % Unternehmen als Inspiration
- U-Form: Azubi-Recruiting-Trends 2025 – 5.482 Befragte: Suchmaschine 41/64 %, YouTube 36 %, Instagram 35 %, TikTok 27 %
- IHK-Azubi-Umfrage 2025 – Fundweg: 2,7 % Instagram, 2,0 % TikTok, 24,6 % Praktika/Betriebsbesuche
- Bertelsmann Stiftung / IW: Jugendliche und Ausbildungssuche (2024) – 1.729 Jugendliche 14–25: 30 % TikTok, 47 % YouTube, 38 % WhatsApp, 25 % Facebook
- Softgarden: Glaubwürdigkeit von Arbeitgebern 2024 – 42,9 % finden Arbeitgeber-Social-Media (eher) unglaubwürdig
- IHK Ostwestfalen zu Bielefeld: Ausbildungsbetriebe und offene Stellen – 4.065 Ausbildungsbetriebe, 820 unbesetzte Stellen; Bielefeld 119, Paderborn 244
- IHK: Kampagne #könnenlernen – Neun Azubis auf TikTok, Werbemittel für Betriebe
- ARD/ZDF-Medienstudie 2026 – 74 % der 30–49-Jährigen nutzen Social Media wöchentlich